Sex. Missbrauch im Bistum Mainz


Die Situation im Bistum 2013/14

Das Bistum fragt sich, weshalb zunehmend Menschen die Kirche verlassen. Nicht nur wegen des Finanzskandals in Limburg. Die Glaubwürdigkeit des Bistums ist schon lange durch ein egomanes und absolutistisches Herrschaftsverständnis bedingungslos delegierter Leitungsverantwortung des Kardinals an sein "alter ego" nachhaltig erschüttert. Nicht ein Generalvikar leitet ein Bistum, sondern ein Bischof. Sein Vikar bleibt an seine Delegationsvollmacht rückgebunden und der Bischof hat sich regelmäßig zu vergewissern, ob der von ihm Beauftragte/ die von ihm Beauftragten der Delegation in hinreichendem Maße nachkommen. Delegation heißt nicht, sich als Inhaber der Leitungsvollmacht elegant aus der Verantwortung stehlen zu können. Genau dies hat Lehmann im Blick auf den Fall Tebartz van Elst zu Recht stark kritisiert, der seine Verantwortung auf seinen ehemaligen Generalvikar schieben wollte. Glaubwürdigkeit lässt sich nicht an der Vielzahl moralischer Postulate messen sondern daran, dass nur dann eindeutige Position bezogen wird, wenn das Geforderte auch selbst gelebt wird.
Es wird höchste Zeit, dass Lehmann die Segel streicht und mit ihm seine willfährige Administration, die allein die Sorge um die eigene Macht umzutreiben scheint. Es gibt kein Zukunftskonzept, keine Antwort, wie auf die immer bedrängendere Situation der Zahl der vom Bistum geweihten Priester reagiert werden soll. Rücksichtslos werden den Verbliebenen bis zur völligen physischen und psychsischen Erschöpfung immer mehr Aufgaben übertragen, an einen Typus Mensch, der vom unbedingten Gehorsam beseelt ist und vom "Bischof, befiehl! Wir folgen Dir!"- Gerade in deutschen und deutschsprachigen Bistümern sollte diese Haltung zu denken geben, aber auch aufgrund der theologischen Schieflage: Selbst-, Nächsten- und Gottesliebe bedingen einander. Mit dem einen Aspekt gerät auch der andere unweigerlich aus dem Gleichgewicht. Die Konsequenzen der von den Leitenden vorgelebten selbstzerstörerischen "Hingabe" bis zur völligen Erschöpfung sind katastrophal: Immer mehr Depression und Burnout legen sich über das gesamte Bistum, das lähmend den Tag einer neuen Bischofsweihe herbeisehnt, wenn auch bestimmte Verdienste Kardinal Lehmann unbestritten sind.

Grebenhain 11.05.2013


Dickert von der fehlenden Reaktion des Kardinals aus Mainz enttäuscht


Briefwechsel zu Missbrauchsfällen und Rolle der Kirche – Gespräch in Mainz ohne Pfarrer lehnt Rathauschef ab
GREBENHAIN - (cke). Die Einstellung der Missbrauchsstudie durch die Katholische Kirche und die noch immer ausstehende Entschuldigung von Kirchenverantwortlichen aus dem Bistum Mainz gegenüber den Opfern, die vom ehemaligen Grebenhainer Pfarrer Wolfgang Grabosch sexuell missbraucht worden waren, hatten Grebenhains Bürgermeister Manfred Dickert im Februar veranlasst, einen Brief an den Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, zu schreiben. Der Rathauschef, in dessen Gemeinde sich ein Teil der widerwärtigen Taten ereignet hatten, hatte in seinem Schreiben eine klare Entschuldigung der Kirche und einen ehrlichen Umgang mit den Missbrauchsfällen gefordert (der LA berichtete).
Im März bekam Dickert Antwort aus Mainz. Natürlich nicht von Kardinal Lehmann selber, sondern vom Justiziar des Bistums, Professor Michael Ling. Dies zeigt, wie wichtig Kardinal Lehmann offenbar die Missbrauchsfälle in seinem Bistum sind, für den die Aufarbeitung der schweren Übergriffe in Grebenhain doch eigentlich "Chefsache" sein müssten. Doch offenbar widmet er sich lieber anderen "Highlights" seines Amtes, das doch eigentlich mehr ein Dienst an den ihm anvertrauten Menschen sein sollte ... Insgesamt enttäuscht war der Rathauschef von der für ihn unbefriedigenden Stellungnahme Lings. Dennoch war er bereit, das von Ling in dem Brief gemachte Gesprächsangebot anzunehmen. Das teilte Dickert dem Justiziar in einem weiteren Schreiben im April mit, verbunden mit der Bitte, dass auch der Grebenhainer Pfarrer Helmut Grittner und ein Vertreter des LA an der Unterredung in Mainz teilnehmen sollten. Das wiederum lehnte Ling ab und teilte das Manfred Dickert in der vergangenen Woche erneut schriftlich mit.
Nach reiflicher Überlegung hat sich der Grebenhainer Rathauschef nun seinerseits entschlossen, auf das Gespräch zu verzichten, da er diese Art von Geheimhaltung und das Heraushalten insbesondere des Grebenhainer Seelsorgers nicht akzeptieren kann. Denn gerade der sei für einige der Opfer eine Vertrauensperson und für sie ein glaubwürdiger Repräsentant der Katholischen Kirche. Seinen Verzicht mit dem Hinweis darauf, wie enttäuscht er von dieser Haltung sei, und auch darüber, dass der Justiziar und nicht der Kardinal selber in Kontakt mit ihm getreten sei, teilte Dickert dem Bistum in einem weiteren Brief mit, den er in dieser Woche verfasste. Offenbar sollen keine Zeugen die Gesprächsinhalte im Nachhinein bestätigen können.
Der Justiziar des Bistums, Michael Ling, hatte in seinem Antwortschreiben auf den ersten Brief Dickerts im Februar den Vorwurf der Vertuschung und den Anwurf, die Kirche habe bereits spätestens seit 1999, vor dem Zeitpunkt der Verjährung der Taten also, über die Missbrauchsfälle Bescheid gewusst, zurückgewiesen. Die Kirche habe mehrfach öffentlich dazu aufgefordert, ihr Hinweise auf ein früheres Wissen mitzuteilen, es sei aber immer nur bei anonymen Stimmen und Gerüchten geblieben, hatte Ling erklärt. Dem gegenüber lägen ihr Hinweise vor, dass vor Ort bereits zum Zeitpunkt der Missbrauchsfälle ein Wissen über die Vorgänge bestanden habe, das aber aus unterschiedlichen Gründen nicht an Bistum oder Staatsanwaltschaft weitergegeben worden sei. Hier stellt sich die Frage, ob und in welcher Weise das Bistum von Opfern und Zeugen als vertrauensvoller Ansprechpartner empfunden wurde, wenn, wie im Bistum Mainz, keine externen und qualifizierten Ansprechpartner existieren sondern nur ein auf Abwiegelung fokussierter Justitiar des Bistums. Der Umgang mit der Anfrage von Bürgermeister Dickert kann die Beteiligten und mutmaßlich früher Informierten nur bestätigen, sich mit ihrem Wissen nicht selber in Gefahr gebracht zu haben. Den Vorwurf unterlassener Hilfeleistung kann man nur dem machen, der sich nicht selber gefährdet, was bei diesem Bistum nicht ausgeschlossen scheint, indem die Informanten selber kriminalisiert werden.
Dem Bistum liege die vollständige Akte über Grabosch vor, einschließlich der Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft. Akteneinsicht könne das Bistum aus Opferschutzgründen jedoch nicht gewähren. Weitere Erkundigungen könne Dickert bei der Staatsanwaltschaft einholen, die ebenfalls über die Akten verfüge.
Auch den Vorwurf, die Kirche habe in der Angelegenheit nicht mehr getan, als ihr Mitgefühl zu äußern, hatte Ling nicht gelten lassen, schließlich seien in Anerkennung des Leids bereits mehreren Opfern Leistungen (finanzielle Entschädigungen, Anmerkung der Redaktion) gewährt worden.
Bedauerlich fand der Justiziar auch, dass Dickert die Materie nicht unmittelbar mit der Kirche besprochen habe, sondern den Weg eines öffentlichen Briefes – über den LA – gewählt hatte, ohne der Kirche vorab eine Gelegenheit zur Stellungnahme einzuräumen. Gerade das Bistum Mainz gehöre nämlich zu denjenigen Bistümern, die sich im Zusammenhang mit der Studie zum Missbrauch der Katholischen Kirche unter Leitung Prof. Pfeiffers bereit erklärt habe, ihr gesamtes Aktenmaterial für eine Untersuchung der Zeit von 1945 bis heute zur Verfügung zu stellen. An dieser Haltung habe sich bis heute nichts geändert. Ob es sich wirklich, wie Ling behauptet, um das gesamte Aktenmaterial handelt, darf allerdings bezweifelt werden.
 

Bürgermeister fordert von Kirche klare Worte der Entschuldigung

Auftrag und Selbstverständnis dieser Website ist es, dass sexueller Missbrauch im Bistum Mainz (und möglichst auch in anderen kirchlichen Einrichtungen und Institutionen nicht mehr -wie noch in der Vergangenheit- ge - ling - t und den vom sexuellen Missbrauch in der Kirche betroffenen Menschen insbesondere aus Grebenhain rund um Wolfgang Grabosch der Öffentlichkeit mahnend online präsent zu halten.

 

25.02.2013 - VOGELSBERGKREIS - Weiter Schweigen und Vertuschen

Manfred Dickert schreibt an Kardinal Karl Lehmann– „Offenheit und Übernahme der Verantwortung“

(cke). Die Einstellung der Missbrauchsstudie durch die katholische Kirche und die noch immer ausstehende Entschuldigung von Kirchenverantwortlichen aus dem Bistum Mainz gegenüber den Opfern, die vom ehemaligen Grebenhainer Pfarrer Wolfgang Grabosch sexuell missbraucht wurden, veranlassten Grebenhains Bürgermeister Manfred Dickert, einen Brief an den Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, zu schreiben. Der Rathauschef, in dessen Gemeinde sich ein Teil der widerwärtigen Taten ereigneten, fordert eine klare Entschuldigung der Kirche und einen ehrlichen Umgang mit den Missbrauchsfällen.

„Die Berichterstattungen in der Presse vom Januar zu dem mit einem großen Eklat gescheiterten Forschungsprojekt der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch an Minderjährigen durch das kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen machen zutiefst betroffen“, schreibt Dickert an den Kardinal. Zum Brief veranlasst sehe er sich durch die Haltung der katholischen Kirche, des Bistums, gegenüber den Missbrauchsopfern aus der Gemeinde Grebenhain und der umliegenden Dörfer im Einzugsbereich des von Pfarrer Grabosch geführten Dekanats. „Meine bisherigen Kenntnisse reichen nur bis zu einem Mitgefühl der Kirche mit den Opfern. Ihnen sind sicherlich die systematischen schweren Vergewaltigungen von Kindern und Jugendlichen unter raffinierter Ausnutzung der unangefochtenen Stellung von Grabosch in der Gemeinde bekannt.“ Nach der lokalen Berichterstattung hätten sich zwei Opfer an das Bistum gewandt, Dickert zitiert aus diesen Veröffentlichungen: „Spätestens seit dem Jahr 1999 wusste das Bistum sehr genau Bescheid – und tat nichts. Jedenfalls gelangten die Vorwürfe nicht bis zur Staatsanwaltschaft. Kernpunkt des seltsamen Vorganges: Damals wären die Taten noch nicht verjährt gewesen, Grabosch hätte noch zur Verantwortung gezogen werden können, war gesundheitlich wohl auch noch in einem anderen Zustand als zum Zeitpunkt des 2010 endlich eingeleiteten Ermittlungsverfahrens, als er dement in einem Seniorenheim lebte. Dieses Verfahren kam zehn Jahre zu spät und scheiterte an der Verjährungsfrist.

Dickert zitiert weitere Äußerungen zweier Opfer, die ihre Geschichte geschildert hatten: „Den Opfern hätte Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre keiner geglaubt“. „Wir hätten doch nur gehört: Erzähl so keinen Unsinn.“ Und: „Wir stoßen immer noch auf Unverständnis“, hätten beide übereinstimmend gesagt. Die Opfer hätten nach wie vor das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen, dass sie einen angesehenen Seelsorger beschuldigen, zeigt sich Dickert in seinem Schreiben überzeugt.

„Für mich stellt sich heute, auch und gerade vor dem Hintergrund des gescheiterten Forschungsprojektes, die Frage, wie geht die Kirche wirklich mit den Opfern um, werden seelsorgerische Gespräche geführt, erfolgt eine Begleitung der Opfer und, ganz wichtig, wann erfolgt eine Entschuldigung der Kirche? Es drängt sich der Gedanke auf: Oder soll einfach der Deckel auf den Missbrauch gelegt werden?“, schreibt Dickert.

Pfarrer Grabosch sei von Lehmann und dem Bistum in die Gemeinde geschickt worden, um in dem Auftrag der Kirche als Seelsorger für die Gläubigen und die Gemeinde zu wirken, und sei zudem noch dreimal zum Dekan gewählt worden. „Ich halte es für geboten, dass die daraus ergebene Verantwortung auch getragen wird. Ebenso halte ich es für geboten, dass die Ihnen von der Staatsanwaltschaft übergebenen Ermittlungsakten öffentlich gemacht werden. Dies wäre der objektive Schritt und der Weg der Offenheit, ohne dass die Opfer sich erneut an die Öffentlichkeit wenden und sich offenbaren müssen. Ich bitte Sie eindringlich: Stellen Sie sich den Opfern, stellen Sie sich der schonungslosen Aufklärung und finden Sie auch klare Worte der Entschuldigung. Dies sind Sie den Opfern und der Glaubwürdigkeit der Kirche schuldig.“ Ein Skandal ist überdies auch, dass dem "Pfarrer" der vom Bischof verliehende Ehrentitel "Geistlicher Rat" nicht posthum entzogen worden ist.

 
Die Worte des Grebenhainer Bürgermeisters sind mutig und ein Votum im Sinne der Opfer.
 
An der Tabuisierungsstrategie der Vergangenheit hat sich auch und gerade im Bistum Mainz überhaupt nichts geändert. Im Gegenteil. Ein vom Kardinal protegierter Strafrechtsprofessor namens (Dr.) Ling (daher der Titel der Homepage "Missbrauch ge-ling-t"), den Grabesrittern assoziiert, ist als bischöflicher Frontmann der neuzeitliche Pseudoinquisitor, der das zumindest fahrlässig verspielte Vertrauen gerade im Fall Grabosch retten soll. Als solcher verfolgt er allerdings weniger das Interesse der Opfer an rückhaltloser Aufklärung des Vorgefallenen und kämpft für die Übernahme diözesaner Verantwortung, sondern kaschiert das Fehlverhalten der damaligen Diözesanleitung. Er führt sich vielmehr in dieser höchstsensiblen Thematik auf wie ein Elefant im Porzellanladen, indem er auf den verwundeten Seelen der Opfern brachial und geradezu tölpelhaft herumtrampelt. Anders kann dies nicht formuliert werden.
Das Bistum Mainz gibt sich unter seiner fragwürdigen Führung als Vorreiter in Sachen Missbrauchsprävention und offenbart nurmehr personal das Versagen der Institution und die verweigerte Lernbereitschaft. Der ritterordenaffine Professor kompensiert offensichtlich die Schwäche seines intellektuellen Ichs.
Er kritisiert bei den von ihm geleiteten Präventionsschulungen den Abbruch der Pfeifferschen Studie zu den Missbrauchsfällen im Bereich der Dt. Bischofskonferenz. Frage: Warum überträgt das Bistum Mainz die Aufarbeitung des unermesslichen Grebenhainer Leids der Opfer nicht wie in anderen Diözesen einem externen Aufarbeitungsstab wie etwa im Erzbistum München- Freising? Stattdessen bleibt im Bistum Mainz "alles in einer internen Hand": Opfer haben keine Chance, die hohe Hemmschwelle des Ordinariates zu umgehen und sich etwa an eine vorgeschaltete Beauftragte, männlich wie weiblich, zu wenden. Was ist daran federführend?
Ling nimmt Missbrauchsfälle, wie er selber sagt, erst dann und nur dann ernst, wenn sie an einer bereits bekannten Systematik eines des Missbrauchs verdächtigten Täters anknüpfen. Dies bedeutet nichts anderes als: Erstmalige Vorwürfe werden erst einmal dem Verdacht der Manipulation unterzogen, statt grundsätzlich jeden Vorhalt erst einmal ernstzunehmen. Welches Opfer nimmt freiwillig die hohe Hürde des Bischöflichen Ordinariates in Anspruch, um einen angeblich "fingierten" Vorhalt vorzubringen? Dies bedeutet vielmehr die implizite Rechtfertigung eines einmaligen "Freischusses" für jeden, der eine Missbrauchsneigung im Bistum hat.Nachdem die Bischofskonferenz ankündigte, die Pfeiffer´sche Studie zu kündigen, hatte Ling den Auftrag des Generalvikars Giebelmann, zügig Grebenhainer Aktenbestände zu vernichten, die Rückschlüsse auf Verantwortungsversäumnisse zuließen.
 Ling ist sich seiner in Arroganz gebärdenden Inkompetenz nicht bewusst, die sich auch darin zeigt, dass er in seinen "Präventionsschulungen" immer wieder einen durch die Fachliteratur klar bestrittenen Zusammenhang zwischen homosexuellen Priestern und Pädophilie herstellt. Ein erhöhter Anteil von pädo- und homosexuellen Priesten im Bistum Mainz lässt sich nur dadurch konstruieren, weil das Bistum weit über dem diözesanen Durchschnitt in Deutschland homosexuell veranlagte Priester beschäftigt, eine Konnexität, die Ling freilich verschweigt.
 
Wenn das Bistum wirklich Vorreiter in Sachen Missbrauchsprävention sein wollte, die über die Alibifunktion hinausgeht, sich präventiv bei Missbrauchsvorwürfen aus der Leitungs- und Personalverantwortung zu ziehen, könnte dieses beispielsweise die Missbrauchshotline denen in seinem Verantwortungsbereich liegenden Telefon- und Onlineseelsorgen übertragen. Aber dann müsste man sich natürlich ausnahmsweise zugunsten der Opfer positionieren.
 
 

19.3.2011 - Kreis-Anzeiger Zentralhessen

Klar machen, was wirklich passiert ist“

 
Von Norbert Gregor Günkel

Missbrauchs-Opfer: Kirchengemeinde muss die fortgesetzten schweren Vergewaltigungen zur Kenntnis nehmen

„Die Kirche wartet doch nur darauf, dass uns die Luft ausgeht“, sagt Missbrauchs-Opfer Marc Klein und schiebt gleich seine Gefühle nach: „Nach diesen Wochen ist man kein richtiger Mensch mehr.“ Aber er und Alexander W. wollen nicht nachlassen: Die Kirchengemeinde Grebenhain soll wissen, was der inzwischen verstorbene Pfarrer Wolfgang Grabosch über Jahre hinweg mit einer unbekannten Anzahl von Kindern und Jugendlichen getrieben hat: Fortgesetzte, systematische, schwere Vergewaltigung unter raffinierter Ausnutzung seiner unangefochtenen Stellung in der Gemeinde. Marc Klein hatte Grabosch beim Bistum und damit bei der Staatsanwaltschaft angezeigt und später als „Hans W.“ den Schritt in die Öffentlichkeit gewagt. Die Ermittlungsbehörde schloss die Akte, weil die Taten verjährt sind, das Bistum wollte danach ein Verfahren gegen den Pfarrer einleiten. Das wurde durch dessen Tod Anfang März beendet.

Mit dem Tod des Täters ist die Sache für Marc und Alexander aber nicht erledigt. „Die Menschen müssen sich endlich klar machen, was jungen Menschen durch Pfarrer Grabosch wirklich passiert ist.“ Beim Informationsabend des Bistums im Februar hat der Justiziar des Bischofs zu sehr um den heißen Brei herumgeredet. „Es ging eben nicht darum, dass Grabosch mal den Penis eines Jungen berührt hätte, wie Prof. Ling das hinstellen wollte.“ Beide Opfer berichten von mehrfacher schwerer Vergewaltigung, die monatelang wiederholt wurde.

Grabosch habe seine Opfer gezielt ausgesucht, berichten die beiden. Er wusste über die familiären Verhältnisse genau Bescheid, trat als Wohltäter und Tröster auf, wenn Jungens in einer schwierigen Situation steckten, half den Familien. Und er machte Geschenke - von der Armbanduhr bis zu Mofa und Auto. Die „Auserwählten“ durften nahezu kostenlos mit auf Freizeiten fahren, deren Kosten der Pfarrer fast gänzlich übernahm. Unterwegs gab es mal subtilen Druck, mal offene Drohungen: Richtige Jungens duschen nackt und lassen sich auch nackt fotografieren.

Aber, und das ist den beiden Opfern wichtig: Die Vergewaltigungen geschahen eben nicht nur auf diesen Fahrten, sondern auch in Grebenhain, in jener Kirchengemeinde, die der angesehene Seelsorger immerhin 18 Jahre lang betreute.

Marc und Alexander rechnen: In unserer Gruppe waren es über drei Jahre hinweg mindestens fünf Jungen. In den 18 Jahren gab es aber etliche Gruppen. „Das mag man sich gar nicht ausmalen, wieviele Kinder und Jugendliche da Opfer geworden sein können.“ Wobei inzwischen klar ist, dass Grabosch sich nicht nur auf Jungen beschränkte. Eine Frau, damals ein Mädchen, hat sich im Februar als Opfer gemeldet.

Angesichts der möglichen Zahl von Opfern und der langen Zeitdauer der kriminellen Taten bleibt es ein Rätsel, dass das so lange gehen konnte. Aber Alexander bestätigt, was Marc schon früher sagte: Den Opfern hätte Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre keiner geglaubt. „Wir hätten doch nur gehört: Erzähl so keinen Unsinn.“ Eine Freundin der beiden, die die tragische Geschichte seit Monaten kennt, bestätigt: „Denen hätte keiner geglaubt. Denn sonst wären Weltbilder eingestürzt.“

http://www.kreis-anzeiger.de/lokales/aus-der-nachbarschaft/grebenhain/10342269.htm
 
Interessant auch die Ausführungen auf der früheren Website der DPSG Langgöns: http://www.dpsg-langgoens.net/index.php?option=com_content&task=view&id=19&Itemid=53. Taktloser geht es wohl kaum. Wieder einmal ein Schlag ins Gesicht für die vom monströsen Umfang des Missbrauchs betroffenen Menschen. Allein der Titel "Pfarrer" im Sinne von "Pastor", "Hirte" müsste posthum zurückgenommen oder wenigstens in Anführungszeichen gesetzt werden. Offenbar hat auch der Pfadfinderverband der "Pfarrer Grabosch so viel zu verdanken hat" noch nicht viel in Sachen Vergangenheitsbewältigung unternommen.
DPSG Langgöns PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Administrator   
Donnerstag, 25. Januar 2007

Und so entstand der DPSG Stamm Sankt Josef, Langgöns......

Der Pfadfinderstamm St. Josef wurde 1972 von Pfarrer Grabosch und Dieter Klein gegründet.

Es fing alles mit einer reinen Jungengruppe an... (Mädels und Jungs wurden damals noch nicht "gemischt" Lächeln)

 


Geschenke und Gewalt im Schweigekartell

30.08.2011 - GREBENHAIN

Von Norbert Gregor Günkel

Wie Pfarrer Wolfgang Grabosch sich mit einem ausgefeilten System junge Menschen gefügig machte

Während die Irritation über das Verhalten des Bistums anhält, wird in der Rückschau immer klarer, wie das „System Grabosch“ funktioniert hat, das den Missbrauch einer immer noch nicht genau bekannten Zahl von jungen Menschen möglich machte. Das Erkennen dieses Systems wird bei der Aufarbeitung der Vorfälle zusammen mit dem Missbrauchsbeauftragten des Bistums ab dem 5. September eine wichtige Rolle spielen.

Zu all den offenen Fragen rund um die Rolle des Bistums ist in den vergangenen Wochen eine neue, starke Irritation hinzugekommen. Während sich kein führender Geistlicher aus Mainz bislang in Grebenhain hat blicken lassen, kam Generalvikar Dietmar Giebelmann zur Einweihung des Bibelparks nach Herbstein, also in die unmittelbare Nachbarschaft, aus der etliche Opfer kamen. Dort verlor er kein Wort über den Missbrauch in Grebenhain, nutzte seinen Aufenthalt im Vogelsberg aber auch nicht für ein Gespräch mit den Betroffenen. Bei den Opfern hat das einmal mehr das Gefühl hinterlassen: Wir zählen nicht - egal, was das Bistum öffentlich erklärt.

Aber das Nachdenken über Grabosch und seine Methoden geht weiter - muss weitergehen, um das System zu verstehen.

Wolfgang Grabosch hatte einen Blick für sozial Schwache, denen er sich als Helfer und Ratgeber anbot. Er schuf Vertrauen, unter dessen Schutz er sich seine Opfer aussuchte.

Zu potenziellen Opfern schuf er ein Verhältnis der Abhängigkeit - vor allem durch Geschenke, Reisen und Tätigkeiten, die sonst nicht erlaubt waren. Etwa, mit seiner Pistole zu schießen. Bei etlichen Kindern schaltete das jedes Kritikvermögen aus. Wer es behielt und das auch erkennen ließ, der war schnell wieder aus dem System draußen.

Systematisch untergrub Grabosch die Gültigkeit anderer Autoritäten. Wenn Eltern sich gegen das gemeinsame Nacktbaden der Jungen wandten, stellte er sie als rückständig hin, für die Entwicklung sei eine solche Haltung obendrein schädlich. Eltern oder andere Erwachsene wurden aus der Jugendarbeit, vor allem bei den Pfadfindern, entschlossen ferngehalten.

Ganz wichtig für Grabosch natürlich: Das Schaffen einer Atmosphäre, in der sexuelle Handlungen möglich wurden. Dazu zählte das Nacktbaden ebenso wie der Besuch in der Sauna. Grabosch genoss diese Anblicke.

In diesem Umfeld erst wurden die Übergriffe möglich. Nach allem, was bisher bekannt wurde, Schritt für Schritt. Erst „zufällige“ Berührungen, dann gezielte Griffe und Handlungen. Es waren Tests: Wer würde mitmachen, wer nicht?

Und natürlich: Das Geheimnis. Er schwor ganz offenkundig alle seine Opfer darauf ein, dass die sexualisierte Beziehung das Geheimnis zwischen dem jungen Menschen und dem Pfarrer bleiben müsse.

Grabosch schaffte es, ein Kartell des Schweigens rund um seine Taten zu errichten. Das ging so weit, dass sich seine Opfer nicht untereinander kannten - was bis heute eine Solidarisierung untereinander faktisch verhindert.

Inzwischen ist längst klar, dass Grabosch sich nicht auf Jungens im jugendlichen Alter beschränkte. Auch Mädchen zählten zu seinen Opfern. Und bei beiden Gruppen muss heute vermutet werden, dass er auch bereits Kinder zu seinen Opfern machte.

 
 

Aktenvernichtung infolge der verhinderten Pfeiffer-Studie

Von: generalvikar
Gesendet von: Marion Helff/DezZ/Ordinariat/Bistum-Mainz/DE
Datum: 01/14/2013 09:21
Betreff: Missbrauchsstudie VDD

Sehr geehrter Herr Justitiar,

wie ich soeben auf vertraulichem Wege erfahren habe, beabsichtigt der VDD die Missbrauchsstudie mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut (namentlich Prof. Pfeiffer) vorzeitig zu beenden, da uns dieser die Einflussnahme bei der Publikation von Forschungsergebnissen abspricht. Infolgedessen sollten wir damit wie besprochen fortfahren, einen weiteren Teil der Personalakten verstorbener Geistliche aus unserem Bistum zu schreddern (Fall Grabosch et alt.), damit diese aus unserem Datenbestand ausscheiden. Es soll keine Gefahr bestehen, dass das Bistum durch diese Dokumente in Misskredit gerät.

Vielen Dank für Ihre bewährte und diskrete Mithilfe.

Freundliche Grüße

Generalvikar Prälat Dietmar Giebelmann

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Legende Thema: T - Termin; E - Eilt; I - Information
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Bischöfliches Ordinariat Mainz
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Telefon  0 61 31 - 253-110  -  Telefax 0 61 31 - 253-113


Mailto:generalvikar@bistum-mainz.de
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Missbrauchsfälle seit den 1980er Jahren im Bistum Mainz

1981 schrieb ein Bewohner des Knabenkonvikts in Bensheim einen Brief an den damaligen Bischof Hermann Kardinal Volk. Er berichtete dabei von Missbrauch an ihm und weiteren Mitschülern, worauf der Domdekan die Opfer zu einem Gespräch einlud, das jedoch nicht zustande kam. Der Konvent war 1981 schon geschlossen worden. Der Brief wurde 2010 wiederentdeckt, ein sehr merkwürdiger "Zufall". Für Berichte über Vorwürfe, die schon in den 1970ern erhoben worden waren, ließen sich keine schriftlichen Belege (mehr) finden. Das Bistum rief Opfer auf, sich beim Missbrauchsbeauftragten zu melden.[106] Dazu erhoben 2010 15 ehemalige Schüler Vorwürfe von Misshandlung und Missbrauch.[88]

2010 wurde ein Fall von Misshandlung durch einen Sozialarbeiter aus der Zeit von 1973 bis 1979 bekannt.[40]

Anfang 2010 werden Vorwürfe gegen einen katholischen Pfarrer im Altkreis Lauterbach, Dekanat Alsfeld, erhoben. Die Vorwürfe beziehen sich auf die Jahre 1991/1992.[107] Ende 2010 hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingestellt, weil die Verbrechen verjährt sind. Ein Opfer berichtet anonym in einem Zeitungsartikel.[108] Im Februar 2011 teilt der Justiziar des Bistums Mainz, Prof. Dr. Michael Ling, bei einer Gemeindeversammlung in Grebenhain mit, dass gegen den Vogelsberger Priester, der in den achtziger Jahren eine immer noch nicht genau bekannte Zahl von Jungen missbraucht haben soll, ein kirchliches Strafverfahren eingeleitet worden ist.[109] Im März 2011 verstirbt der beschuldigte Priester nach jahrelanger Pflege im Bruder-Konrad-Stift, dem katholischen Alten- und Pflegeheim der Marienschwestern in Mainz. Pfarrer Wolfgang Grabosch wird öffentlich erstmals im Nachruf des Weihbischofs Werner Guballa als jener Pfarrer aus Grebenhain genannt. Guballa wörtlich: „In den letzten Jahren wurden schwere Missbrauchsvorwürfe gegen Pfarrer Wolfgang Grabosch erhoben. Die Fakten, die dann im Laufe der Ermittlungen zutage traten, haben uns zutiefst erschüttert und beschämt." [110] In einem Artikel des hessischen Kreisanzeigers vom 19. März 2011 wird die Gemeinde Grebenhain aufgefordert, sich klar zu machen, "was wirklich passiert ist".[111] Demnach soll Pfarrer Wolfgang Grabosch die Taten systematisch geplant und den Missbrauch auch in Räumen der Gemeinde durchgeführt haben. Die Bearbeitung des Vorganges durch das Bistum löste in der Pfarrgemeinde Grebenhain vielfachen Unmut aus. Zum einen fühlte man sich vom Generalvikariat alleine gelassen, zum andern empfand man die Darstellung der Sachverhalte durch den Justiziar des Bistums als unangemessen.[112]

2010 wurden auch Vorwürfe gegen einen Priester des Bistums bekannt, der auch Mitglied des Schönstatt-Instituts in Simmern bei Koblenz ist. Der Priester war zu dem Zeitpunkt in Washington, D.C. und wurde verdächtigt, in den 1980ern und 1990ern sexuelle Beziehungen zu weiblichen Jugendlichen und jungen Frauen unterhalten zu haben. Unter den mutmaßlichen Opfern befand sich jedoch kein Missbrauchsfall mit einer unter-14-Jährigen. Die Vorfälle waren bereits 2004 durch ein Opfer bekannt geworden, allerdings wurde damals nicht das Bistum verständigt. Das Schönstatt-Institut bat stattdessen lediglich um Versetzung des Mannes.[113]

Bei der Staatsanwaltschaft Gießen war im April 2011 noch ein Verfahren gegen einen 84-jährigen Priester anhängig, der in den 1990er Jahren ein Opfer sexuell missbraucht haben soll.[84]

Bis Juni 2011 wurden beim Bistum Mainz 13 Anträge auf Entschädigung wegen sexuellen Missbrauchs durch Angehörige des Bistums gestellt.[103]

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